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Frühkindlicher Autismus

Bei einem typischen Entwicklungsverlauf zeigen sich beim Frühkindlichen Autismus (ICD-10, F84.0) schon Auffälligkeiten im Säuglingsalter. Autistische Kleinkinder möchten häufig nicht berührt werden, haben nicht selten Probleme beim Essen und Schlafen und entwickeln selbststimulierende Verhaltensweisen. Sie können zunächst keine Geste, kein Lächeln, kein Wort verstehen. Sie sind eher an Dingen als an Personen interessiert.

Selbst zu den eigenen Eltern wird keine gegenseitige Beziehung hergestellt. Einige ziehen sich in klassischer Weise in sich zurück, kapseln sich „autistisch“ ab, andere fallen durch nicht altersadäquate Kontaktaufnahme auf. Jede Veränderung der Umwelt kann zu starker Erregung führen.

Für die Diagnose müssen Auffälligkeiten in drei Bereichen vorhanden sein:

  • Qualitative Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion
  • Qualitative Auffälligkeiten der Kommunikation
  • Begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivit äten

Autistische Kinder spielen nicht wie ihre Altersgenossen, sondern benutzen Spielzeug z.B. meist immer in gleicher, zweckentfremdeter Art und Weise. Es gibt einen Hang zu immer gleichen Handlungen und Stereotypien, z. B. Drehen und Kreiseln von Rädern, wedeln mit Gegenständen oder Zerreißen von Papier. Sie zeigen kaum Rollenspiele und imitieren selten andere Menschen. Viele autistische Kinder und Jugendliche bestehen zwanghaft auf ganz bestimmte Ordnungen oder können ihre Eltern zur Verzweiflung bringen durch extensives Sammeln bestimmter Gegenstände, durch ihre Weigerung, bestimmte Kleidung zu tragen, durch Wiederholung der immer selben Verhaltensweisen oder sprachlichen Äußerungen.

Viele Kinder lernen nicht zu sprechen, andere fallen durch sprachliche Stereotypien auf oder benutzen eine eigene Sprache. Nicht zuletzt aufgrund der mangelnden Kommunikationsmöglichkeit kommt es nicht selten zu Selbst- und Fremdverletzungen und im weiteren Verlauf – ohne entsprechende Hilfsmaßnahmen – zur stationären Unterbringung.

Die intellektuelle Begabung von Menschen mit Frühkindlichem Autismus ist sehr unterschiedlich. Eine aussagekräftige Intelligenzmessung ist oft sehr schwierig. Die meisten Kinder mit Frühkindlichem Autismus werden jedoch in den Bereich der Geistigen Behinderung eingeordnet. Der kleinere Teil zeigt eine leicht unterdurchschnittliche, normale und selten überdurchschnittliche Intelligenz, wobei einzelne autistische Menschen erstaunliche und manchmal verdeckte Leistungen im Bereich des Gedächtnisses, in technischen Disziplinen, in der Musik und auf anderen Gebieten zeigen.

Von der Störung sind Jungen 3- bis 4-mal häufiger betroffen als Mädchen.

Weiterführende Literatur

  • Remschmidt, H.: Autismus, Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen, Beck, München 2008
  • Rollet, B.; Kastner-Koller, U.; Praxishandbuch Autismus, Urban & Fischer, München 2007
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte e.V., Reihe Kommunikation zwischen Partner, Frühkindlicher Autismus, Düsseldorf 2000